Technik auf der Jagd: Wärmebild, Drohnen und was als Nächstes kommt
Technik auf der Jagd: Wärmebild, Drohnen und was als Nächstes kommt
Wärmebildgeräte sind auf dem besten Weg, so alltäglich zu werden wie GPS vor fünfzehn Jahren. Drohnen mit Wärmebildkamera werden in mehreren Landesteilen schon heute bei der Nachsuche eingesetzt. Und auf dem Viltseminaret (Wildseminar) in Voss am 6. und 7. Februar gehen die Fachleute die große Frage direkt an: Wird die Jagd zu einem Sport nur noch für Technikbegeisterte?
Das verdient eine ernsthafte Diskussion.
Wärmebildoptik: Von der Nische in den Mainstream
Noch vor fünf Jahren waren Wärmebildgeräte und Wärmebildzielgeräte dem Militär und einer Handvoll gut betuchter Enthusiasten vorbehalten. Heute bekommst du ein brauchbares Wärmebild-Monokular für unter 10.000 Kronen, und die Verkaufszahlen sind explodiert.
In Norwegen ist Wärmebildoptik bei der Jagd erlaubt. Ein ausführliches Rechtsgutachten im Auftrag einer Herstellergruppe (Blaser, Zeiss, Swarovski und andere) kam zu dem Schluss, dass Wärmebildferngläser und Wärmebildzielgeräte nicht unter das Verbot von „künstlichem Licht“ in § 20 des Wildgesetzes (viltloven) fallen und nach geltendem Recht daher zulässig sind. Viele norwegische Jäger nutzen Wärmebildzielgeräte bereits aktiv, und bei der Nachsuche auf Hirschartige (hjortevilt) ist ihr Einsatz ausdrücklich erlaubt.
Im übrigen Europa ist die Praxis unterschiedlich. In Deutschland sind Wärmebildzielgeräte für die Jagd auf Schwarzwild bei Nacht erlaubt. Frankreich lässt sie unter bestimmten Umständen zu. Schweden hat Wärmebildzielgeräte kürzlich für bestimmte Jagdarten freigegeben. Norwegen gehört damit zu den Ländern mit der weitesten Erlaubnis.
In der Debatte geht es nicht mehr um die Rechtslage, sondern darum, wie wir die Werkzeuge nutzen. Und das ist die wichtigere Diskussion.
Drohnen und Nachsuche: Echtes Potenzial
Ingmar Slettmark, Wildtierverwalter in Voss, hat praktische Erfahrung mit Drohnen, die mit Wärmebildkameras ausgestattet sind, bei der Nachsuche auf verletztes Wild. Die Ergebnisse sind vielversprechend. Eine Drohne kann in kurzer Zeit große Flächen absuchen, und mit der Wärmebildkamera lassen sich Tiere in dichter Vegetation und im Dunkeln orten.
Für die Nachsuche liegen die Vorteile auf der Hand. Ein verletztes Tier, das sich in dichtem Gestrüpp niedergetan hat, ist mit bloßem Auge oft so gut wie unauffindbar. Mit einer Wärmebilddrohne findest du das Tier in Minuten statt in Stunden. Das bedeutet weniger Leid für das Wild und effizientere Arbeit für das Nachsuchenteam.
Es gibt aber Grenzen. Bei starkem Wind und heftigem Regen taugen Drohnen wenig. Die Akkulaufzeit ist begrenzt. Dichter Nadelwald kann eine Wärmesignatur verdecken. Und vor allem: Eine Drohne kann ein Tier finden, aber sie kann keiner Schweißfährte durchs Gelände folgen, so wie ein Hund es kann.
Kann die Drohne den Hund ersetzen?
Kurze Antwort: nein. Etwas längere Antwort: Das muss sie auch nicht.
Ein Schweißhund folgt Schweiß und Körperflüssigkeiten durch ein Gelände, in dem keine Technik an die Nase eines guten Hundes heranreicht. Der Hund arbeitet die Fährte methodisch aus, und ein erfahrener Hundeführer liest dabei den Boden. Das ist ein Können, das über Generationen gewachsen ist.
Eine Drohne mit Wärmebildkamera kann aber eine wertvolle Ergänzung sein. Stell dir vor, ein verletztes Tier hat einen Fluss durchquert oder ist in unübersichtlichem Gelände verschwunden. Der Hund verliert die Fährte. Dann kann die Drohne eine große Fläche absuchen und das Tier unter Umständen direkt orten.
In der Praxis ist es kein Entweder-oder. Die besten Nachsuchen der Zukunft werden wahrscheinlich Hund und Technik kombinieren. Slettmark stellt seine Erfahrungen in Voss vor, und die konkreten Zahlen und Fallbeispiele werden hörenswert sein.
Was sagt die Forschung?
Oddgeir Andersen vom NINA (Norwegisches Institut für Naturforschung) stellt auf dem Seminar Ergebnisse einer Umfrage zu Wärmebildhilfen und technikgestützter Jagd vor. Die Einzelheiten kennen wir noch nicht, aber die Umfrage scheint Einstellungen und Nutzungsmuster unter norwegischen Jägern zu erfassen.
Was wir aus früheren NINA-Studien wissen: Norwegische Jäger stehen Technik, die Tierschutz und Sicherheit verbessert, grundsätzlich positiv gegenüber, sind aber skeptischer bei Ausrüstung, die einen gefühlten „unfairen Vorteil“ gegenüber dem Wild verschafft. Das ist eine wichtige Unterscheidung. Die meisten Jäger ziehen eine Grenze zwischen Technik, die dir hilft, deine Arbeit besser zu machen, und Technik, die die Arbeit für dich erledigt.
Die Ethikdebatte, um die niemand herumkommt
Hier liegt der Kern der Diskussion: Wo verläuft die Grenze zwischen einem legitimen Hilfsmittel und etwas, das das Jagderlebnis selbst untergräbt?
Die Befürworter verweisen auf den Tierschutz. Mit Wärmebildoptik siehst du das Wild deutlicher, was zu präziseren Schüssen und weniger Krankschüssen führen kann. Drohnen machen die Nachsuche effizienter. Bessere Technik bedeutet bessere Jagd.
Die Skeptiker fürchten, dass der Jagd etwas Wesentliches verloren geht. Die Jagdethik beruht auf dem Gedanken, dass das Wild eine echte Chance haben soll: Waidgerechtigkeit, Fair Chase. Wenn du im Dunkeln alles siehst, was sich bewegt, und eine Drohne jedes Tier im Gelände finden kann, was bleibt dann von der Herausforderung? Von der Beziehung zwischen Jäger und Natur?
Beide Seiten haben einen Punkt. Die Antwort liegt wohl irgendwo dazwischen. Auch das Fernglas war einmal umstritten. Ebenso das Zielfernrohr. Die Technik verändert sich, und mit ihr die Normen dafür, was akzeptabel ist.
Macht Technik die Jagd zugänglicher?
Ein Aspekt, der in der Ethikdebatte oft untergeht, ist die Zugänglichkeit. Die norwegische Jagd hat Nachwuchsprobleme. Das Durchschnittsalter der Jäger steigt, und viele junge Menschen empfinden die Einstiegshürde als hoch.
Technik kann diese Hürde senken. Ein Einsteiger mit Wärmebildgerät entdeckt Wild schneller und lernt, das Gelände mit einem zusätzlichen Werkzeug zu lesen. GPS und Karten-Apps erleichtern die Orientierung. Kommunikationsmittel geben Sicherheit.
Gleichzeitig können die Kosten in die entgegengesetzte Richtung wirken. Wenn die Jagd immer teurere Technik verlangt, nur um „mithalten“ zu können, kann sie eher ausschließen als einbeziehen.
Tradition trifft Innovation
Die Jagd hat sich schon immer weiterentwickelt. Vom Vorderlader zum Selbstladegewehr, vom Kompass zum GPS. Jede neue Technik ist auf Widerstand gestoßen, und jedes Mal haben Jäger ein Gleichgewicht zwischen Neuem und Traditionellem gefunden.
Wärmebildoptik und Drohnen sind das nächste Kapitel. Das Viltseminaret in Voss wird ein wichtiges Forum für die Frage, wie wir als Jäger zu den Werkzeugen stehen wollen, die kommen: nicht ob wir sie nutzen, sondern wie.
Für das Wild zählt der Tierschutz. Wenn du mehr über Jagdvorschriften und Wildtiermanagement lesen willst, schau in den Wissensbereich. Richtig eingesetzt kann Technik genau dort tatsächlich etwas bewirken.
Das Viltseminaret in Voss findet am 6. und 7. Februar 2026 statt. Auf dem Programm stehen unter anderem Oddgeir Andersen (NINA) zur technikgestützten Jagd und Ingmar Slettmark (Wildtierverwalter, Voss) zu Drohnen bei der Nachsuche.
